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Jerry Cotton in Berlin
Mittwoch, 13.5.2009 | Autor: mz

Ob in den Kriminalromanen der 50er oder in den Kinohits der 60er Jahre: Kein anderer FBI-Agent hat mehr Charme und Coolness als Jerry Cotton. Wenn der stilsichere G-Man vor der Skyline Manhattans für Recht und Ordnung sorgt, können ihn weder miese Schurken noch zwielichtige Ladies oder andere Gefahren aus der Ruhe bringen. Jetzt endlich, nach 40 Jahren Wartezeit, kehrt Jerry Cotton mit einer spannenden Actionkomödie unter der Regie von Cyrill Boss & Philipp Stennert (Neues vom WiXXer) in einer Christian Becker/Rat Pack Produktion (Die Welle, Wickie und die starken Männer) auf die große Leinwand zurück.

Derzeit finden in Berlin und Hamburg die Dreharbeiten zu Jerry Cotton statt, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. In der Titelrolle ist Christian Tramitz zu sehen, bestens bekannt als Ranger aus Der Schuh des Manitu oder Käpt'n Kork aus (T)Raumschiff Surprise - Periode 1. »Wir kamen auf die Idee bei Neues vom WiXXer, da hatten wir ein Fotoshooting mit dem Christian Tramitz«, erzählt Produzent Christian Becker. »Er spielte einen Privatdektiv, die Figur des Bruders von Oliver Kalkofe, vom Longer, und ich hatte diese Fotos gesehen und meinte so: Er sah verdammt smart aus. Und wir hatten uns gedacht, er sieht eigentlich aus wie Jerry Cotton! Daraufhin haben wir uns mit Bastei Lübbe, die diese Marke kreiert haben, in Verbindung gesetzt - die Rechte waren frei - und haben dann die Rechte optioniert. Wir haben uns schon von Anfang an ganz bewusst für Christian Tramitz entschieden, um das ganze Projekt auf ihn hin zu entwickeln. Dann haben wir, Cyrill, Philipp, die RatPack, zweieinhalb Jahre am Buch gearbeitet, und jetzt sind wir froh, dass wir angefangen haben...das wird super!«

Jerrys einzige Verbündete sind sein roter Jaguar, seine Smith & Wesson, Kaliber 38 und ausgerechnet sein chaotischer neuer Partner Phil Decker, gespielt von Christian Ulmen: »Es ist absolut eine Rolle, wo ich mich nicht umstellen muss. Phil Decker ist eine Actionfigur, wie sie im Buche steht. Der schießt so, auf 250 Meter trifft er das Ziel, mit der Pistole, fällt von hohen Stahlbrüstungen, ist sexy... Das deckt sich alles so im Grunde mit meinem privaten Können und Vermögen. Insofern ist es leichtes Spiel für mich.«

Aber die beiden bleiben nicht allein. Zu ihnen gesellt sich die Spanierin Malena, die mit ihrer Hündin Lola und ihrer sexy Figur für Aufregung sorgt. Gespielt wird diese Frau von Mónica Cruz, der atemberaubenden Schwester von Penélope. Malena ist sehr stark, weiß immer genau was sie will und lässt ihre weiblichen Reize auf Jerry Cotton los. Dieser ist ständig hinter ihr her, auch wenn sie ihm recht zwielichtig erscheint, was sie natürlich zu ihrem Vorteil ausnutzt.

DER AUSGANGSPLOT

Der tadellose Ruf des New Yorker FBI-Agenten Jerry Cotton ist in Gefahr: Die Leiterin der Dienstaufsichtsbehörde, Daryl Zanuck (Christiane Paul), wirft ihm einen Doppelmord vor. Hat Jerry wirklich aus Rache Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu) erschossen, weil er dem Gangsterboss den States Union Goldraub nicht nachweisen konnte? Und hat er wirklich seinen eigenen Kollegen Ted Conroy (Janek Rieke) ermordet, um den einzigen Zeugen zu beseitigen? Für Jerry beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Er muss seinen eigenen Leuten beim FBI entkommen, die New Yorker Unterwelt durchforsten und schnellstmöglich den wahren Mörder finden.

»Wir haben uns jetzt in dem Buch nicht an einem speziellen Heft orientiert, sondern gesagt: Wir erfinden wirklich eine ganz neue Geschichte, die eigentlich vor dem ersten Heft spielt. Wie haben sich Phil Decker und Jerry Cotton kennengelernt?«, berichtet Philipp Stennert, die eine Hälfte des Regisseurteams. »Es gibt so ein paar Elemente, die natürlich ganz typisch sind für Jerry Cotton, die wir übernommen haben - seine Smith & Wesson, die Frisur, der coole Anzug und natürlich der rote Jaguar. Aber es spielt in der Jetztzeit und der rote Jaguar ist ja ein Auto aus früherer Zeit, aus den 50er Jahren [Anm.: Es handelt sich um einen Jaguar E-Type V12, Baujahr 1967]. Die Idee ist, dass Jerry Cotton erstmal ein modernes Auto fährt, einen neuen Jaguar XKR. Er wird im Laufe der Geschichte vom FBI gejagt, wodurch er sein Dienstfahrzeug, den XKR verliert. Es gibt einen Moment im Film, wo er in ein Fluchtauto steigt und plötzlich einen älteren Herrn in einem roten Jaguar E-Type entdeckt. Er entscheidet sich spontan, obwohl gerade alle hinter ihm her sind, umzusteigen, diesen alten Mann aus dem Auto zu befördern und dieses Auto, diesen E-Type zu nehmen, der ganz typisch ist für Jerry Cotton. Und das ist dann eigentlich die Verwandlung zum Jerry Cotton, so wie wir ihn haben wollen.«

DIE DREHARBEITEN

Christian Becker: »Also die Idee ist, ähnlich wie in den Filmen in den Sechzigern, dass wir den ganzen Film hauptsächlich in Hamburg und Berlin drehen. Drei Viertel der Drehzeit sind wir in Berlin und Brandenburg unterwegs, ein Viertel sind wir in Hamburg, genau wie die alten Filme aus den Sechzigern. Damals gab es acht Filme mit George Nader, und die sind auch alle in Deutschland gedreht worden. Wir haben es eigentlich bis jetzt geschafft, mit unserem Produktionsdesigner Matthias Müsse ganz Berlin und die Teile dort wo wir drehen komplett nach New York umzugestalten. Das heißt, Sie werden den Film am Schluss sehen, und 90% der Leute werden nicht merken, dass das in Deutschland gedreht ist. Wir werden dann allerdings noch 2-3 Tage mit den Jaguars und den beiden Christians nach New York fahren, um noch ein paar Aufnahmen zu machen. Viel wird dann aber auch noch digital ergänzt, im Hintergrund, also wenn wir jetzt irgendwo in Schöneberg drehen und es gibt eine Kamerafahrt an einer Häuserfassade hoch, endet diese dann in einer digital eingesetzten Skyline.«

SPASS MIT CHRISTIAN

Christian Tramitz: »Wir haben keinen Spaß miteinander...Nein, man weiß wirklich bis heute nicht, wer gemeint ist. Wir haben zwar spaßenshalber wird er Ulmi oder Christ auch genannt...aber letztendlich sagen alle immer Christian, und es fühlt sich immer der Falsche angesprochen. Als kleine Draufgabe haben wir jetzt noch eine Christiane und der Produzent heißt auch noch Christian (Becker). Ich glaube so sind früher Kriege entstanden.«

Christian Ulmen: »Ansonsten haben wir ja natürlich total Spaß. Wir sind, und das kann man jetzt auch offen sagen, wir sind Freunde geworden...im Laufe der Zeit...noch nicht beste Freunde, aber noch zwei Wochen, dann sind wir sicherlich, also man muss sich das ja auch sagen, wenn man bester Freund ist, das ist noch nicht passiert, aber so in zwei bis drei Wochen könnte es sein, sind wir dann beste Freunde. Das kann man so offen kund tun.«

Christian Tramitz: »Ja, es ist lustig. Also er ist sehr lustig. Deswegen muss ich nicht mehr lustig sein als Jerry Cotton, was natürlich ein Riesenvorteil ist, dass ich das relativ gerade spielen kann. Und für den Spass ist der Herr Ulmen jetzt einfach zuständig. Das haben wir jetzt so ausgemacht.«

Der Fall: Jerry Cotton

Kann ein Krimiheld Jeremias Baumwolle heißen? Niemals! Lächerlich! Das dachte sich in den 50er Jahren auch Delfried Kaufmann. Der Vertreter des Waschmittelkonzerns Henkel hielt nicht viel von den Kriminalromanen, die tausendfach in Deutschland kursierten. Er wollte das Genre persiflieren und erfand einen FBI-Agenten, der lässig mit einem roten Jaguar durch die New Yorker Häuserschluchten fährt und mit seiner Smith & Wesson die Unterwelt in Schach hält. Weil die Titelfigur ein Amerikaner sein sollte, übersetzte Delfried Kaufmann den Namen Jeremias Baumwolle einfach ins Englische: Jerry Cotton.

Der Bastei-Verlag in Bergisch Gladbach fand Gefallen an dem fiktiven Agenten und seinen Berichten, die lebensnah in der Ich-Form geschrieben waren. Im September 1954 erschien der erste Fall mit dem Titel „Ich suchte den Gangster-Chef“ als 68. Band in der Reihe „Bastei Kriminalromane“. Die Leser liebten Jerry Cotton und sein 50 Pfennig teures Abenteuer. Sie verlangten mehr, und sie bekamen mehr. Nach etwa zwanzig weiteren Romanen wurden die Berichte des Agenten im März 1956 als eigenständige Heftserie ausgekoppelt. Sie erscheint bis heute und ist mit einer europaweit verkauften Gesamtauflage von einer Milliarde Exemplare die erfolgreichste deutschsprachige Kriminalromanserie aller Zeiten. Über 100 Autoren verfassten bislang mehr als 2700 Groschenromane und 400 Taschenbücher.

In den 60er Jahren eroberte Jerry Cotton auch die Kinos. Die Rolle des smarten FBI-Agenten spielte der Amerikaner George Nader, den Part seines treuen Kollegen Phil Decker übernahm der Deutsche Heinz Weiss. Von 1965 bis 1969 inszenierten Regiegrößen wie Fritz Umgelter und Harald Reinl acht Jerry-Cotton-Abenteuer. Gedreht wurde vorwiegend in Hamburg, München und Berlin, die Aufnahmen aus New York wurden im Studio auf die Leinwand projiziert oder später in den Film geschnitten. Rund 13 Millionen Kinobesucher ließen sich bereitwillig auf diese Illusion ein: Bei einem Gesamtbudget von 9,4 Millionen Mark spielten die acht Filme gemeinsam 34 Millionen Mark ein.

Jetzt endlich, vier Jahrzehnte später, kehrt Jerry Cotton mit einer spannungsgeladenen Actionkomödie auf die große Leinwand zurück. Neben den bereits erwähnten Schauspielern sind ebenfalls Heino Ferch, Jürgen Tarrach und Herbert Knaup zu sehen. Für die Musik sind Helmut Zerlett & Christoph Zirngibl zuständig. Es wird auch eine Neuadaption des Jerry-Cotton-Marschs geben, den Peter Thomas damals komponiert hatte. Studio Babelsberg liefert die Kostüme und der Constantin Film Verleih bringt den Film dann 2010 in die Kinos. ■

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